Ingopedias EM-ABC

Damit vor, bei und nach den Spielen auch jeder mitreden kann, habe ich (fast) pünktlich zum Start der Europameisterschaft einen kleinen Leitfaden erstellt. Hier steht alles drin, was man bei einem solchen Turnier wissen muss, sortiert von A wie „Arschkrampen“ bis Z wie „zum Qualifizieren zu doofe Käsköppe“.
Alleinunterhalter, der
Ist zwar schön anzusehen, gewinnt aber keine Titel. Ich prophezeie, dass Zlaten Ibrahimovic (Schweden), Christiano Ronaldo (Portugal), Robbie Keane (Irland), Robert Lewandowski (Polen) und Garreth Bale (Wales) NICHT als Europameister in den Urlaub fahren werden, egal wie viele Titel sie in ihren jeweiligen Vereinskarrieren geholt haben. Superstars mögen Spiele gewinnen – einen Titel gewinnt eine Mannschaft (oder genauer: die beste Abwehr).
Alter!!!!
Sollte nach jeder vergebenen Torchance gebrüllt werden.
Benzema, Karim
Auch so ein Superstar, spielt bei Real Madrid, ist einer der besten Stürmer der Welt und wird das Turnier vom eigenen Sofa aus verfolgen. Auch er wird sich also nicht Europameister nennen können, selbst wenn die Equipe Tricolorer den Titel holen sollte. Trainer Deschamps schmiss ihn aus dem Kader, weil Benzema einen Mannschaftskameraden Mathieu Valbuena mit einem Sexvideo erpressen wollte. Wusste gar nicht, dass Benzema bei Real sooo schlecht verdient…
Bier, das
Getreidehaltiges Energiegetränk, das gerne bei allen passiv betriebenen Sportarten eigenommen wird. Eignet sich hervorragend zu allerlei Fleisch-Speisen, als Brot-Ersatz oder einfach so. Am besten an Tagen mit einem „g“ am Ende einzunehmen.
Christiano Ronaldo, der
Der frischgebackende Champion’s-League-Sieger von Real Madrid lässt wirklich nichts unversucht, um auch das letzte Quäntchen Power aus seinem Körper herauszuholen. Gegen Saisonende unterzog sich der portugisische Superstar also einer Behandlung mit Eigenblut, die schnellere Wundheilung verspricht. Wenn er weiter so bocklos kickt wie gegen Island, wird das aber wenig nützen. Blickte beim Auftaktspiel (Endstand: 1:1) ganz oft eingeschnappt zum Schiedsrichter, da Ronaldo-den-Ball-wegnehmen noch immer nicht gesetzlich verboten ist.
Doofe Fragen und/oder Kommentare
Werden meist gestellt von weiblichen Zuschauern, sollten aber während der nächsten vier Wochen Turniers absolut tabu sein! Frauen, die noch nach der EM einen Lebensabschnittspartner haben wollen, sollten sich also mit „Was ist denn Abseits?“, „Ich finde, der bessere soll gewinnen!“ oder „Die Spanier sind ganz schön niedlich!“ zurückhalten.
Eierkratzer, der
Jogi Löw ist ein Profi. Anders ist der beherzte Griff in seine Weichteile während des Ukraine-Spiels nicht zu erklären. Meine Theorie: Damit nach dem Spiel nicht zu viel über taktische Mängel; Formschwäche o.ä. geredet wird, und die Mannschaft sich in Ruhe auf das nächste Spiel konzentrieren kann, beschloss Bundes-Jogi kurzerhand, die gesamte mediale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, indem er sich während des Kicks mal eben zünftig ans Gemächt packte. Jetzt haben die Medien wieder etwas, worüber sie 3 Tage diskutieren können – und die Spieler haben ihre Ruhe. Gut gemacht!
Elfmeter, der
Im sog. Penalty-Shootout (Fachsprache) sind wir Deutschen immer noch die ungekrönten Champions! Und die Inselkrücken mit den abstehenden Ohren, Sommersprossen und roten Haaren (siehe auch: Vorurteil, das) werden auch diesmla wieder gegen irgendjemanden ausscheiden, der die Hosen nicht ganz so voll hat.
Elfmeterschießen & Engländer
Elfmeterschießen und Engländer sind ungefähr so wie Pizza Hawaii – passt irgendwie nicht zusammen.

Frankreich
Der Land, in wo das EM stattfinden tut. Hat außer einen Eiffelturm, streikenden Gewerkschaftsmitgliedern, geschmacksfreiem Weißbrot, schädelspaltendem Rotwein und einer verschwurbelten Scheißsprache nicht viel zu bieten. Gearbeitet wird dort gerüchteweise eher selten, aber dafür kommen ganz tolle Fußballer dort her: Platini, Zidane, Thuram, Henry, Ribéry… Letztgenannter ist gar nicht dabei. Benzema auch nicht (s.o.). Eric Cantona schon lange nicht mehr. Aber dafür ganz viele andere. Außer Raphael Varane (Oberschenkelverletzung)… oder Lassana Diarra (Knieverletzung)… oder Jérémy Mathieu (auch Oberschenkel)…
Frau, die
Wahlweise als Servicekraft („Schatz, hol mir mal noch ne Plörre außem Keller!“) oder Aggressionsabbau („Fresse!) zu gebrauchen. Außerdem wichtig, um das Ego des Mannes aufzupolieren, wenn er weltmännisch auf die Frage „Was ist denn Abseits?“ antworten kann und dabei mindestens so eloquent wirkt wie einst Udo Lattek am Snack’s Taktik-Tisch.
Gewinner, der
Besucher von Wettbüros wüssten gerne, wer der große Gewinner dieser EM wird. Mit einer Mannschaft kann ich da schwerlich antworten, dafür sind die Topteams zu dicht beieinander. Ich wage die Prognose, dass das Halbfinale bestritten werden wird von Frankreich (Heimvorteil), Deutschland (breite Weltmeister-Brust), Spanien (Routine, Weltklasse, Barca, Real, Atletico, Iniesta, Busquets!) und einem Außenseiter, den bisher noch keiner auf der Rechnung hat. Vielleicht die Engländer, die jung und hungrig sind und außerdem befreit aufspielen können, weil keiner etwas von ihnen erwartet (zu jung, zu unerfahren, können keine Elfemeter). Aber mit Außenseitersiegen kennt man sich auf der Insel seit ein paar Wochen wieder aus, siehe: Leicester City!!
Oder vielleicht die Italiener, mit denen auch keiner so richtig rechnet (zu alt, keine Stars), die aber offensichtlichdas taktische Verschieben lernen, noch bevor sie laufen lernen.
Ich denke auch an diejenigen, die nach der EM die wahren Gewinner sein werden. Wie der Ungar Adam Szalai, dessen Karriere nach dem Weggang aus Mainz nur noch seuchenmäßig verlaufen ist, weil er in Schalke, Hoffenheim und Hannover kein Bein auf den Boden bekommen hat, gerade mit den 96ern aus der Bundesliga abgestiegen ist … und der jetzt der erste Spieler seit Lajos Detari ist, der für Ungarn bei einem Turnier getroffen hat.
Oder wie dessen Trainer Bernd Storck, ein Deutscher, der zusammen mit Andreas Möller die ungarische Mannschaft trainiert und nun ein zweiter Rehagel werden könnte.
Oder wie Shkodran Mustafi, den 2014 schon niemand auf dem Zettel hatte. Der sich aber – im Gegensatz zu Marco Reus – Weltmeister nennen darf, obwohl rechts hinten nicht seine Position ist. Bildete im ersten Spiel die Innenverteidgung (da ist er eigentlich zu Hause) mit Boateng und köpfte prompt das 1:0.
Oder wie Gigi Buffon, der seinen x-ten Frühling erlebt und gegnerische Stürmer immer noch zur Verzweiflung treiben kann.
Oder wie das gesamte englische Team (s.o.).
Oder wie Ante Cacic, den Nationaltrainer Kroatiens, den selbst die wenigsten Fußball-Fachmänner kennen, der aber ebenso ein zweiter Rehagel werden könnte, wenn er seine Truppe dazu bringt, das Talent – das sie zweifelsohne besitzt – auch mal abzurufen.
Oder wie die zahlreichen Funktionäre, die sich wahrscheinlich wieder ein goldenes Näschen verdienen werden. Oder der Pflegeprodukthersteller Nivea, dessen Cremeverkäufe sich wahrscheinlich proportional dazu entwickeln, wie weit die Deutschen und ihr Werbepartner Jogi Löw im Turnier kommen werden. Oder Fernsehsender, die sich darüber freuen können, dass sie aufgrund der Ausdehnung noch mehr Werbepausen haben und noch mehr Sendezeit an den meistbietenden verkaufen können. Oder die Hersteller von Bier (siehe auch: Bier, das), und Bratwürsten.
Oder die intelligenten Menschen, die durchgesetzt haben, dass im Stadion keine Banner und Fahnen mehr aufgehängt werden dürfen, weil das angeblich die Sicht behindert (die Wahrheit ist, dass man die Sponsorenlogos einfach nicht mehr so gut erkennen kann, siehe auch: Sponsoren, die)
Grillen, das
Auch dieses Jahr werden sich die Einzelhändler die Hände reiben und die Ärzte in Grausen abwenden, wenn sich das deutsche (Männer-)Volk wieder pfundweise tote, Antibiotika-versetzte Proteine auf die Kohlen flatscht. Unbedingt unter Zuhilfenahme eines isotonischen Kaltgetränks zu verzehren (siehe auch: Bier, das).
Hooligans, die
Das Turnier ist erst ein paar Tage alt, aber es haben sich schon wieder genug Bekloppte gefunden, die sich gegenseitig die Köppe einschlagen wollen. Die üblichen Verdächtigen aus England und Russland haben ihre Duftmarke schon gesetzt, weitere Intelligenz-Allergiker werden sicher noch folgen.
Holland
Ist der Lieblings-Hassgegner der Deutschen, die Duelle sind entsprechend hitzig. Ronald Koeman wischt sich mit dem Trikot von Olaf Thon den Arsch ab (EM 1988), Frank Rijkaard spuckt Rudi Völler in die Haare (WM 1990) – nur zwei der vielen „Höhepunkte“ in der Beziehung zu unserem Nachbarland. Dieses mal sind unsere liebsten Feinde leider nicht dabei. Schade!
“Ist immer noch Fussball??!!“
Ja, liebe Frauen, so ein Turnier geht lang (siehe auch: Teilnehmerfeld, das). Diese Frage werdet ihr also in den nächsten vier Wochen wohl noch häufiger stellen.
Jogi, der
(nicht zu verwechseln mit der Comic-Figur „Yogi-Bär“!) Unser Bundestrainer setzt auch bei diesem Turnier wieder auf „höggschde Dischtschiblien“ (=höchste Disziplin). Und alle Skeptiker, die vor dem Turnier gesagt haben „was will der denn mit Kimmich / Hector / Weigl / dem dauerverletzten Schweini“ werden sich vielleicht mal wieder wundern. Zur Erinnerung: 1996 wunderten sich alle, was Berti Vogts mit Dieter Eilts will. Und der grätschte dann die Deutschen zum Titel.
KMH
Ist das mittlerweile verbreitete Kürzel für ZDF-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein. Die Frau, die immer ein bißchen so aussieht, als habe ihr jemand in der Maske die Zähne mit Pattex zusammen geklebt, ist Fan des 1. FC Nürnberg, aber Mitglied bei Bayern München. Analysierte bei der EM vor vier Jahren zusammen mit Oliver Kahn die Spiele und stand dabei auf einem unsäglich doofen Bohrinsel-Imitat am Strand von Usedom.
KMH mit doofer Brille
Entblödete sich später nicht, dem Steuerbetrüger Uli Hoeneß knutschend um den Hals zu fallen und damit mal so eben journalistische Gründsätze in die Tonne zu treten (“Sie haben in den letzten Monaten schwere Zeiten erlebt”).
Stellt in Interviews auch mal gerne die GAAAANZ unbequemen Fragen, so geschehen bei der WM 2014 in Brasilien: Im Campo Bahia blickte sie dahinschmelzend in die Augen von Co-Trainer Hansi Flick und besäuselte ihn ernsthaft mit dem Satz: “Sie haben so eine tolle Farbe!” Sie erkundigte sich nicht nur nach Flicks toller Farbe (“Das ist eher so eine Bauarbeiterbräune”), sondern auch, was er morgens um “sieben, acht, halb neun” mache, wenn sein Boss Jogi Löw joggen geht. (Antwort Flick: „Auf‘s Bike oder Yoga!“). Schlussendlich wollte sie wissen, welche Musik Hansi Flick er hört, weil sich Oliver Bierhoff angeblich des öfteren über die Lautstärke beschwert habe (Antwort Flick: „Keine, aber dafür hört Jogi Löw Udo Jürgens.“).
KMH mit doofem Hoeneß
Auch vor Bundestrainer Löw machte ihre kritische Einstellung nicht halt: „Am meisten bewundere ich Bundestrainer Joachim Löw“, schwärmt sie 2014, hinter ihr das Mannschaftshotel bei Nacht. „Und ich frage mich: Wie cool ist dieser Mann eigentlich?“ Wie cool er denn tatsächlich ist, erfährt der GEZ-zahlende Zuschauer nicht, aber das ist ja auch nicht so wichtig… Wenn Sie diese Form in den letzten zwei Jahren einigermaßen konserviert hat, müssen sich die Kicker schon mal warm anziehen!!
Lichtsteiner, Stephan
Der Mannschaftskapitän der „Nati“ ist nicht etwa Lichtensteiner – wie der Name vielleicht vermuten lässt -, sondern Schweizer. Und spielte auch noch nie in Lichtenstein, dafür in Frankreich (OSC Lille) und in Italien (für Lazio Rom und aktuell Juventus Turin).
Markus Lanz
So heißt eine fürchterlich schlechte und fürchterlich fürchterliche Kuscheltalksendung mit: Genau, Markus Lanz! Bei jedem großen Turnier sitzen dort die üblichen Verdächtigen, also Rolf Töpperwien, Waldi Hartmann, Bela Rethy, Uli Stein, Thomas Berthold, Rainer Calmund, Steffen Freund (übrigens der einzige Deutscher in der Hall of Fame von Tottenham Hotspur!!), Marcel Reif, Hansi Müller usw. Die werden dann wieder Anekdoten erzählen, die man schon tausendfach gehört hat, sich aber gerne noch mal anhört. Weil um die Zeit einfach nix anderes läuft. Darüber wird zu reden sein! Scheiß Fernsehen…
Nachbar, der
Ist seit der selten blöden Aussage von AfD-Spacken Alexander Gauland eines der Schlagwörter im Internet geworden. Boateng selbst lässt der Wirbel um seine Person (und die überwiegend positiven Rückmeldungen der Netzgemeinde) eher kalt, er spielt seinen Stiefel runter und kratzt auch schon mal einen Ball im Rückwärtsfliegen von der Linie.
Boateng Rettungstat
Wenn ich das versuche, fabriziere ich ein Eigentor, prelle mir die Hüfte und reiße das Tornetz kaputt. Wenn er das macht, sieht es einfach nur cool aus und wird in allen Jahresrückblicken noch einmal endlos wiederholt werden. Chapeau!
Nivea
Ist Hauptsponsor von Jogi Löws Gesicht (siehe auch: Sponsoren, die), stellt seit Jahrzehnten Produkte her, die allenfalls mittelmäßig bewertet werden… die aber seltsamerweise in keinem deutschen Badezimmer fehlen dürfen.
Nationalhymne, die
Wird schon mal unabsichtlich von blondierten Hohlbrezeln wie der Delmenhorsterin Sarah Marianne Corina Lewe alias Sarah Conner verhunzt („Brüh im Lichte“). Wichtig: Rechte Hand auf’s Herz machen die doofen Amis, wir Deutschen nehmen dagegen die rechte Hand lieber an die Bierflasche (siehe auch: Bier, das). Übrigens: Wer am Anfang schmettert „Auferstanden aus Ruinen“, ist geistig noch im falschen Land.
Oliver Bierhoff, das
Köpfte das 1:1 und später das berühmte Golden Goal beim letzten Titelgewinn der Deutschen 1996. Ist nun Teammanager und mitverantwortlich für den selten dämlichen Eigennamen „Die Mannschaft“.
War sich nicht zu blöd, Michael Ballack auf dem Spielfeld dafür zu rügen, dass dieser nach der Finalniederlage 2008 nicht mit den eigenen Fans feiern wollte.
Für Bierhoff ist die Platzierung bei so einem schon Turnier wichtig, das Wichtigste ist aber der Imagefaktor, den die deutsche Mannschaft erreicht. Davon hängen die Einbindung von Werbepartnern ab (siehe auch: Sponsoren, die), die Fernsehverträge und am Ende das Geld für die Basis. Er sagt das ganz offen, weil er es für eine gute Sache hält. Bierhoffs Vater war im Vorstand des Energiekonzerns RWE (siehe auch: Sponsoren, die). Manche meiner Kumpels sagen, Bierhoff sei doof und habe einen Stock im Arsch. Wenn ich ihn manchmal so sehe und dann reden höre, bin ich geneigt, dem zuzustimmen.
professionelles Verhalten, das
Ist bei Max Kruse offensichtlich nicht vorhanden. Der Stürmer hatte in letzter Zeit ohnehin kein glückliches Händchen: Ging letztes Jahr von M’Gladbach zu Wolfsburg, um sich sportlich zu verbessern, landete mit der Werkself in der Abschlusstabelle dann drei Plätze hinter Gladbach und schoss weniger Tore.
Er spielt gerne Poker und vergisst schon mal 75.000 EUR in einem Taxi. Ausserdem wurde er bei seiner Geburtstagsfeier (als er Urlaub hatte!) in einer Disco von einer BILD-Reporterin doof angepöbelt und flog daraufhin aus dem Kader der Nationalmannschaft. Die offizielle Begründung von Teamchef Löw: mangelndes professionelles Verhalten.
Daraus lässt sich folgern, dass es durchaus professionell ist, ohne Führerschein Auto zu fahren (Marco Reus), 18 Punkte in Flensburg zu sammeln und selbigen Führerschein abgeben zu müssen (Jogi Löw!!!), Mit 2 Nakedei-Models im FC-Bayern-Whirpool zu planschen (Bastian Schweinsteiger), dem eigenen Mannschaftskapitän Michael Ballack auf dem Feld eins in die Fresse zu hauen (Lukas Podolski anno 2009), öffentlichkeitswirksam mit einem Döner nach Leuten werfen und in eine Hotel-Lobby pissen (Kevin Großkreutz),
Public Viewing, das
Ist wieder einmal Pseudo-Anglizismus-Schwachsinn. Das Wort gibt es im englischen tatsächlich, heißt aber frei übersetzt so viel wie das öffentliche Zurschaustellen eines Verstorbenen in seinem Sarg (siehe auch: Lenin-Mausoleum).
Quiz-Runde, die
Gerne genommener Zeitvertreib in Halbzeitpausen, vor oder nach dem Spiel. Wer ist der deutsche Nationalspieler mit den Meisten Toren bei Turnieren? Wie viele WM-Tore Klose mehr als Ronaldo? Welcher Deutsche hat mehr Länderspiele als Bundesliga-Spiele? Wie zum Teufel hat es Carsten Ramelow geschafft, über 50 Länderspiele zu machen? Und arbeitet er heute als Querpasstrainer bei der Jugendabteilung von Bayer Leverkusen? Wie viele Schachteln raucht Mario Basler im Durchschnitt? Und warum begrüßt uns keiner mehr mit „N’Abend allerseits!“…?
Reus, Marco
Der schmächtige Flügelfummler von Borussia Dortmund spielte seit Jahren einen Bombenfussball… und darf sich jetzt schon das zweite Turnier in Folge daheim auf dem Sofa angucken. Und Günther Herrmann darf sich Weltmeister nennen. Bitter!
Steinbrecher, Michael
Ist zum Glück für alle Zuschauer und vor allem ZuHÖRER nicht bei der EM im Einsatz. Sätze wie „Ja, da können Sie jetzt ruhig klatschen!“ müssen wir also nicht befürchten.
Sportfreunde Stiller, die
Haben dieses mal zum Glück keinen Mitgröl-Song verfasst, der im Radio totgedudelt wird. Danke dafür!
Sponsoren, die
Sind auch GAAANZ wichtig bei so einer EM, für diese unsere Nationalmannschaft sowieso. Meist riegelt sich der DFB den Medien gegenüber besser ab als das ehemalige Stasi-Regime der ehemaligen DDR. In einer Sache allerdings ist der DFB vollkommen offen und enorm großzügig: Jeder Journalist darf und soll immerzu über die Sponsoren berichten, was man natürlich gern tut. Richtig schlimm wurde es bei der WM 2014 in Brasilien, ich schätze, diesen Sommer wird es nicht besser. Aufgepasst also:
Am wichtigsten ist Mercedes, Mercedes ist immer präsent, neben dem Podium steht ein neuer Mercedes, und kommt einer der Spieler zur Pressekonferenz, muss er neben dem Mercedes posieren, damit man ihn mit dem Mercedes fotografieren kann. An der Wand steht groß über einem Mercedes-Stern der Spruch “Der Pulsschlag einer neuen Generation“, und listigerweise bezieht sich das auf den neuen Mercedes und die Nationalmannschaft, und schon kommt der nächste Spieler und posiert neben dem Mercedes, diesmal Mats Mercedes, nein, Mats Hummels, man kommt ganz durcheinander bei so viel Mercedes, und sie haben ja auch diesen sehr, sehr zauberhaften Flügeltüren-Mercedes hier, in einem Mercedes-Gelb, dass einem die Augen brennen, und aus dem steigt dann Oliver Bierhoff, der Manager der Nationalmannschaft, der ein großer Freund von Mercedes ist.
Und der Käsekuchen ist von McDonald’s,
MacBierhoff
wirklich, umsonst für alle, ein schöner, fleischiger Käsekuchen von McDonald’s, und Bierhoff wurde einmal von einem dieser Escort-Kinder in die Pressekonferenz geleitet, in diesem rot-gelben Trikot von McDonald’s, wie es auch bei den Spielen geschieht, tolle Idee von McDonald’s, und Nivea verschenkt Pflegecremes an die Journalisten, damit deren zarte Haut nicht so leidet unter dem ewigen Regen und der Meeresluft, und die Telekom hat, hurra, eine tolle Spendenidee, und RWE spart Energie mit der Nationalmannschaft, weshalb extra der Herr Thon von RWE in das Weiße Zelt gekommen ist, aber nicht der Olaf Thon, wie er betont, sondern ein anderer Thon, oder war der von Rewe? Rewe, das soll nicht vergessen werden, ist auch Sponsor der Nationalmannschaft. Stenger hat RWE einmal so wie Rewe ausgesprochen, und das klang fast wie ein kleiner Protest dagegen, dass er hier ständig Werbebotschaften verkünden muss. Zudem gibt es noch die Commerzbank, Sony, Adidas, Coca-Cola, Allianz, Lufthansa und Bitburger. So, fertig.
Oliver Bierhoff war leider nicht bereit, sich zur Überkommerzialisierung der Nationalmannschaft zu äußern und wie er auf die Idee kommt, den Journalisten zumuten zu wollen, über all diese Sponsoren zu berichten. Schade. Wie schon gesagt: Stock im Arsch.
Teilnehmerfeld, das
Wurde erstmals in der Geschichte des Turniers auf 24 Mannschaften aufgebläht, was zur Folge hat, dass auch die vier besten Drittplatzierten weiterkommen. Insgesamt wird dieses Jahr ein Mammutprogramm von 51 Spielen abgespult werden. Noch mehr Spiele, noch mehr Experten-Geblubber vor und nach den Spielen, noch mehr „wer hat denn was getwittert?“ (oder heißt es „getweetet“…?)
Ich erinnere mich an die WELT(!)meisterschaft in Italien 1990, die erste, die ich als Kind so richtig bewusst verfolgt habe. Da haben ebenfalls 24 Mannschaften mitgespielt, Roberto Baggio hatte noch keine grauen Haare, Lothar Matthäus war zarte 29 . Nun also auch 24 Mannschaften für Europa, um sicherzugehen, dass sich auch die letzte Rumpeltruppe noch qualifiziert. Dummerweise hat das offensichtlich keiner den Holländern gesagt…
Umschaltspiel, das
Hieß früher mal Konter. Aber seit Jürgen Klopp bei der WM 2006 den Deutschen den Fußball erklärt hat, heißt es nun mal Umschaltspiel. Ist auch bei diesem Turnier ganz wichtig, vor allem beim Kontern.
Vincent Kompany
Bitter: Der Kapitän der belgischen Nationalmannschaft ist einer der besten Verteidiger der Welt. Bei diesem Turnier zumindest wird er den Beweis dafür schuldig bleiben, er musste die EM-Teilnahme aufgrund einer Leistenverletzung absagen.
Verlierer, der
Auch bei dieser EM wird es jede Menge Verlierer geben, von 24 Mannschaften werden 23 enttäuscht nach Hause fahren. Ein paar Verlierer gibt es auch jetzt schon: Marco Reus (Deutschland), der mal wieder verletzt absagen musste, Diego Costa (Spanien), dessen Oberschenkel zwickt. GEZ-Zahler, die nichts mit Fußball anfangen können und den ganzen Scheiß gezwungenermaßen trotzdem mitfinanzieren müssen. Alle Holländer, die sich noch die nächsten vier Wochen doofe Sprüche anhören müssen.
Verteidigung, die
Ist angeblich diiieeeee große Baustelle im deutschen Team. Hummels nicht fit, Rüdiger verletzt, Badstuber schon lange verletzt und gar nicht dabei, Lahm hat aufgehört, Schmelzer wird seit Jahren von Löw geflissentlich ignoriert, egal, wie gut er spielt… Dafür mit dem Leverkusener Tah (zu unerfahren), dem Kölner Hector (zu grün, nach vorne zu schwach), dem Schalker Höwedes (verletzungsanfällig), dem Bayern Kimmich (auch unerfahren und eigentlich defensiver Mittelfeldspieler)… es sicht nicht gut aus. Wenn aber Khedira und der wiedererstarkte Schweinsteiger schon im Mittelfeld alles wegräumen, muss sich die Abwehr keine Sorgen machen. Wenn Neuer hält, wie man es von Neuer gewohnt ist (also Weltklasse) erst recht nicht. Und wenn man dann noch sieht, mit welch artistischen Höchstleistungen Boateng auch noch die brenzligste Situation entschärft, kann eigentlich nichts mehr schief gehen.
Wurst, die
Darf bei keinem Turnier fehlen. Ob Käse, ob Brat oder Rind, alles Gute für das Kind (im Manne)! Mein Favorit: der 1-Meter-Bruzzler von REWE (siehe auch: Sponsoren, die). Dazu passt am besten eine gut temperierte Hopfenkaltschorle (siehe auch: Bier, das).
Xherdan Shaqiri
Kraftwürfel Shaquiri
Den erkennen selbst stark kurzsichtige Menschen jederzeit, der ist so hoch wie Lucas Wolff und so breit wie John Cena. Schafft auch nicht jeder.
Xhaka, Granit
Wer so nen schwer auszusprechenden Namen hat und sich sein ganzes Leben lang doofe Kommentare darüber anhören darf, muss psychisch was aushalten. Muss er auch körperlich, denn das wird die längste EM, die es bisher gab. Wenn es nach den Gladbachfans geht, darf auch gerne beweisen, dass er 8,5 Mio. wert ist. Übrigens nicht zu verweXeln mit…
Xhaka, Taulant
Das ist der ältere Bruder von Granit und kickt nicht für die Schweiz, sondern für Albanien. Beide Teams spielen in der selben Gruppe, es könnte also noch in der Vorrunde zum Bruderduell kommen.
Yann Sommer
Der Mannschaftskamerad von Granit Xhaka steht bei der Schweiz, bzw. Borussia Mönchengladbach im Tor. Und ist der einzige Spieler bei dieser EM, dessen Name mit einem „Y“ anfängt. Glyckwunsch!
Zerrung, die
Wird sich gerne geholt, wenn man versucht, in der Garageneinfahrt noch einmal die wichtigsten Szenen des eben gesehenen Spiels nachzuahmen. Besonders häufig bei Männern über 50 (Jahre) bzw. über 100 (kg).
Zeitspiel, das
Wird besonders wichtig, wenn man in den Spielen der K.O.-Phase drei Minuten vor Schluss 1:0 führt. Bloß nicht aufstehen! Lieber noch fünf mal wälzen, die eine Hand vors Gesicht, die andere ans Knie (auch wenn man am Rücken getroffen wurde).

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